Spiel mit unserer Angst? Schluss damit!

Christiane Wichmann

Ein Kommentar der Fraktionsvorsitzenden der AfD Regionsfraktion zum Vorwurf, der Burgwedeler Angriff würde instrumentalisiert:
Instrumentalisiere ich? Messergewalt!
Liebe Frauen und Mädchen,
lange habe ich darüber nachgedacht, ob ich zu dem Messerangriff in Großburgwedel etwas sage. Ich merke auch jetzt beim Schreiben, dass mein Herz schneller schlägt, weil ich nervös bis ängstlich bin. Aber warum eigentlich?
Ich habe Angst vor dem Messerattentäter? Nein! Dass ich dem Menschen begegne, ist wohl eher unwahrscheinlich. Nein – in diesem Land habe ich doch tatsächlich Angst vor Rufmördern. Menschen, die mit Gezeter und Hass auf andere, wie mich, einprügeln.
Wissen Sie, ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn es mich getroffen hätte, oder meine Kinder. Meine Nachbarin oder meine Freundin, und das macht mir durchaus Angst. Jede Frau, die Gewalt erlebt hat, wird dieses Gefühl kennen. Und ob man Schläge und Verletzungen durch häusliche Gewalt erlebt oder zufällig an einer Straßenecke ist für mich kein Unterschied.
Ich weiß auch, dass es Missetaten, Verbrechen und Gewalt schon immer gegeben hat. Und trotzdem habe ich meine eigene Kinder- Und Jugendzeit in den 80iger Jahren als deutlich gewaltfreier erleben dürfen. Ich will nichts anderes, als dieses Recht auf gewaltlose, unbeschwerte Kinderzeit auch für die Kinder und Jugendlichen von heute.
Und ich soll mir nun also in einem freien Land wie Deutschland aus Angst vor Repressalien den Mund verbieten lassen? Nein, das möchte ich nicht. Weil es in Medien immer hieß, das sind nur Einzelfälle. Bis jetzt waren diese Einzelfälle auch immer weit weg. Und nun? Nun ist das hier, in meiner Gegend passiert. Ja, und mir gefällt das nicht. Ich möchte nicht, dass Frauen niedergestochen werden. Ich möchte überhaupt niemanden niedergestochen auffinden müssen.
Ich möchte auch nicht als „Antwort“ darauf in bewachten Supermärkten und Schulen auf Security treffen, die versuchen, mich zu beschützen. Ich konnte meine Umwelt vom Kino bis zum Einkaufszentrum angstfrei und unbeschwert 40 Jahre lang aufsuchen. Das ist immer eine Selbstverständlichkeit gewesen in diesem Land.
Wie können Menschen Frauen wie mich oder andere taffen Damen anpöbeln und denunzieren, wenn sie sagen, ich habe das gleiche Recht auf Unversehrtheit zu jeder Zeit, so wie ihr es stets in Anspruch nahmt?
Ich würde instrumentalisieren! Ach ja? Dann instrumentalisiert ein Naturschützer die Umwelt für seine Zwecke, dann instrumentalisiert ein jeder Journalist mit jedem einzelnen Artikel auch das Geschehen für seine Zwecke, nämlich für die Auflage, jeder Theologe instrumentalisiert mit Predigten, obwohl die wissenschaftliche Existenz eines Gottes der Weltreligionen auch nach über 2000 Jahren nicht möglich ist, die Armutsindustrie instrumentalisiert mit Bildern – bitte wer instrumentalisiert nicht irgendwas oder irgendwen, wenn er eine Botschaft hat, die ihm oder ihr wichtig erscheint?
Ja, ich bin geschockt, dass es eine junge Frau in meiner Nähe traf. Ja, ich bin ziemlich sauer, weil beschönigt, nicht hingeguckt und verharmlost wird. Ich bin ziemlich sauer, weil es anscheinend kein Aufreger mehr ist, dass Personen ganz selbstverständlich durch Gemeinden gehen und Messer in den Taschen haben? Wer hat bitte üblicherweise ein Messer dabei? Ihre Tante, Mutter, ihr Bruder oder Vater? Wohl nicht. Vor allem in einer Stadt? Ich meine, der Täter war ja wohl kaum unterwegs zum Angeln oder zum Pfadfindertreffen. Wieso stört sich daran niemand?
Wieso interessiert es niemanden, dass eine junge Frau oder ein Mädchen verletzt werden oder sterben müssen, weil Menschen auf unseren Straßen mit Messern rumrennen?
Ganz ehrlich, sie haben Angst! Vor unseren Politikern, Arbeitgebern, ihren Nachbarn und der Presse oder vorm Ausland. Angst, beschimpft zu werden als Nazis. Ich bin keiner und war es nie. Ich bin nicht mal in der Nähe dieser Zeit geboren worden. Ich kann für diese Zeit genauso wenig, wie für den 30jährigen Krieg. Ich bin nicht schuld daran, dass Menschen, die vor mir lebten und Entscheidungen trafen, Mist gebaut haben.
Menschen, die sich in Schuldkomplexe drängen lassen, sind leicht beeinflussbar. Man kriegt sie immer mit Angst. Und das ist nicht fair für die Menschen, die heute leben und die vielen heutigen Probleme lösen müssen. Ich habe keine Schuld an Verbrechen, die verstorbene Generationen irgendwo und irgendwann einmal taten. Es tut mir leid, dass sie es damals nicht hinbekamen, aber ich stand niemals in deren Schuhen. Was weiß ich schon wirklich, wie es früher war? Wir waren doch gar nicht dabei. Ich unterlasse also Verurteilungen, Anschuldigungen und Verdächtigungen.
Ich weiß, dass ich bereits in einer angstfreien Zeit habe leben dürfen. Und ich bin nicht bereit, diese Errungenschaft aufzugeben, damit andere ihre Schuldkomplexe in den Griff bekommen. Diesen Gefallen kann ich Ihnen nicht erweisen. Ich werde Sie für ihre persönlichen Schuldkomplexe auch nicht verurteilen. Ich hingegen möchte auch nicht verurteilt werden, weil ich keine habe.
Ich bin nicht die verletzte Frau, aber ich bin sehr traurig, dass es sie gibt. Ich hoffe, dass sie sich nicht nur von ihren Wunden erholt, die sie am Körper hat. Vielmehr hoffe ich, dass sie sich nicht von Menschen, die sich zu Freunden dieser Gewalttäter machen, noch zusätzlich ängstigen lässt.
Christiane Wichmann

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2018-04-03T18:21:10+00:00 April 3rd, 2018|

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